Das alte Sylt
Keitum ist das, was sich Touristen vorstellen, wenn sie an Sylt denken: enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, Reetdachhäuser hinter Friesenwällen, alte Kapitänshäuser mit Rosengärten. Das Problem ist nur: So sieht der Rest der Insel nicht aus. Keitum ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Das Dorf liegt an der Ostseite, am Wattenmeer. Keinen Sandstrand wie im Westen, dafür diesen speziellen Charme, den man nirgendwo sonst auf Sylt findet. Früher lebten hier die Kapitäne und Walfänger, die es zu Wohlstand gebracht hatten. Die Häuser, die sie gebaut haben, stehen immer noch.
📍 Keitum liegt an der Ostseite, geschützt am Wattenmeer
Ein Spaziergang durch Keitum
Das Beste in Keitum: einfach loslaufen. Die Hauptstraße ist gesäumt von alten Kapitänshäusern, jedes mit eigenem Charakter. Reetdächer, weiße Fensterrahmen, Hortensien im Vorgarten. Dazwischen kleine Galerien, ein paar Boutiquen, Cafés.
Die Friesenwälle sind typisch für Keitum - Mauern aus aufgeschichteten Feldsteinen, oft mit Rosen bewachsen. Sie schützen die Gärten vor dem Wind. Im Sommer blüht es überall, im Herbst sind die Gärten voller reifer Äpfel.
Unser Tipp
Morgens kommen, wenn die Tagestouristen noch nicht da sind. Keitum ist beliebt, nachmittags wird es voll. Frühstück im Café Schmidt, dann durch die Gassen schlendern, bevor die Reisebusse ankommen.
Museen
Keitum hat zwei Museen, beide lohnenswert:
Altfriesisches Haus
Ein original erhaltenes Kapitänshaus von 1739. Man geht durch die Räume wie vor 300 Jahren. Die niedrigen Decken, die Alkoven-Betten, die Küche mit offenem Feuer. Eintritt ca. 5 Euro.
Sylter Heimatmuseum
Geschichte der Insel von der Steinzeit bis heute. Walfang, Seefahrt, Tourismus. Gut gemacht, etwa eine Stunde einplanen. Eintritt ca. 6 Euro.
St. Severin
Die älteste Kirche auf Sylt, um 1200 gebaut. Der Turm ist ein Seezeichen - Kapitäne orientierten sich an ihm. Im Inneren romanische Fresken und ein Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert.
Der Friedhof drumherum erzählt Geschichten. Auf den Grabsteinen stehen Namen von Kapitänen und Walfängern, manche mit Bildern von Schiffen verziert. Ein Spaziergang zwischen den Gräbern ist wie ein Geschichtsbuch.
Das Watt
Keitum liegt am Wattenmeer, nicht an der Nordsee-Brandung. Kein Sandstrand zum Baden, aber ein anderes Erlebnis: Wattwanderungen ab Keitum, der Blick aufs Festland bei klarem Wetter, Vogelbeobachtung.
Bei Ebbe kann man weit ins Watt hinauslaufen - aber nur mit Guide. Die Strömungen sind gefährlich, das Watt ist nicht ohne. Geführte Touren starten regelmäßig.
Essen
Keitum hat einige ein sehr gutern Restaurants der Insel - und entsprechende Preise. Das Benen-Dansen (Seute Deern) ist eine Institution, friesische Küche auf hohem Niveau. Das Fährhaus hat einen Michelin-Stern, reservieren Wochen im Voraus.
Wer es einfacher will: Das Café Schmidt für Kuchen und Kaffee, oder Tipkens für solides Mittagessen.
Preise: Rechnet mit 25-40 Euro für ein Hauptgericht in den besseren Restaurants. Keitum ist nicht billig.
Übernachten
Keitum ist teuer. Hotels wie das Benen-Diken-Hof gehören zu den besten auf Sylt - mit Preisen ab 250 Euro pro Nacht. Ferienwohnungen sind etwas günstiger, aber auch hier: Mit weniger als 150 Euro kommt man selten davon.
Unser Rat: Keitum als Tagesausflug, übernachten in Westerland oder Wenningstedt. Man spart viel Geld und hat trotzdem alles gesehen.
Für wen ist Keitum?
Ja, sehr
Wer das alte Sylt sehen will. Architektur-Fans. Leute die Ruhe und Schönheit suchen. Gourmet-Touristen. Paare auf romantischem Trip.
Eher nicht
Wer Sandstrand braucht - hier gibt's keinen. Wer aufs Budget achtet. Familien mit kleinen Kindern (wenig Unterhaltung). Wer abends was erleben will.
Keitum ist ein sehr schönes Dorf auf Sylt - darüber gibt es wenig Diskussion. Ob man hier übernachten muss, ist eine andere Frage. Ein Nachmittag reicht, um alles zu sehen. Aber wer es sich leisten kann: Die Atmosphäre am Abend, wenn die Tagestouristen weg sind, ist etwas Besonderes.